Am 23.
September genehmigte die Bundesregierung die Wiederaufnahme von Castortransporten
in die Wiederaufarbeitungsanlagen (WAAs). Schnell kristallisierte sich das AKW
Philippsburg als Abfahrtsort des ersten Transports heraus. Trotz der Kürze der
Mobilisierungszeit gab es eine Vielzahl von Vorfeldaktionen (Nicht nur wurden
Züge gestoppt und auch blockiert, sondern es muß auch eine ganze Reihe von Anschlägen
gegeben haben, die von der Presse jedoch totgeschwiegen wurden.) Zunächst schien
der 23. Oktober der vorgesehene Termin zu sein, doch dann sickerte der 18.10.
als frühestmöglicher Transporttag durch. Hektisch wurde die Mobilisierung um
eine Woche nach vorne verlegt. Über 1000 Menschen kamen Sonntags zur Auftaktdemonstration,
mehrere hundert blieben, um die Tage bis zum Abfahrtstermin für Widerstandsaktionen
zu nutzen. Die Demo zog zum AKW, eine sofortige, gemeinsame Aktion aller war
leider nicht möglich, da x1000 ärgerlicherweise erst noch und erst dort einen
über eine Stunde dauernden SprecherInnenrat durchführen mußte. Da es nicht möglich
war, gegen das große Bullenaufgebot ein Camp auf den Schienen durchzusetzen,
wurde eine Wiese im benachbarten Oberhausen-Rheinhausen bezogen. Am Montagmorgen
meldete der SWR, daß der für Mittwoch vorgesehene Transporttermin gestrichen
sei, da sich die französische Regierung weigere, deutschen Atommüll ins Land
zu lassen, solange der Rücktransport der Glaskokillen aus der WAA La Hague nach
Gorleben nicht gesichert sei. Beim deutsch-französischen Gipfel in Biarritz,
habe es in dieser Frage keine Einigung gegeben. Am frühen Montagnachmittag erschienen
auf dem Camp ein paar Hundertschaften Bullen, um ein allgemeines Campverbot
im Landkreis Karlsruhe durchzusetzen. Am Dienstag fanden mehrere erfolgreiche
Versuche statt, auf das Transportgleis des AKW zu kommen, wobei wohl mit der
Demontage des Bahndamms begonnen wurde... Leider gelang es der Polizei 6 Leute
festzunehmen. Da mittlerweile feststand, daß der Transport nicht so bald erfolgen
würde, sollte der Mittwoch mit Abschlussaktionen zu Ende gehen, die noch einmal
entschieden deutlich machen sollten, daß weder Castortransporte noch der Betrieb
von AKWs widerstandslos hingenommen wird. Der Tag begann mit einer Blockade
des Arbeitsbeginns im AKW durch 200 Leute, die sich auf ihrem Weg zur Aktion
auch nicht durch in den Weg gestellte Sixpacks aufhalten ließen und denen es
gelang, den Arbeitsbeginn um über 1.5 Stunden zu verzögern. Den ganzen Vormittag
über folgten weitere Blockaden des Werksverkehrs. Die Polizei reagierte darauf
mit Massenfestnahmen von 130 TeilnehmerInnen einer Blockade von x1000, die in
die als Bullenquartier genutzte ehemalige Kaserne südlich von Philippsburg verschleppt
wurden. Insgesamt waren am Mittwoch an die 600 Leute in Philippsburg. Am Donnerstag,
als nur noch wenige Leute in der Gegend waren, folgte dann die Rache für die
erfolgreichen Tage des Widerstands. Nachdem das Zentrallager von x1000 schon
mehrere Tage durch Bullenfahrzeuge blockiert war, kamen sie nun, um deren gesamtes
Material "dauerhaft" zu beschlagnahmen. Dem holländischen Kochkollektiv Rampenplan
wurde in der Gerichtsverhandlung angeboten, ihnen ihre ebenfalls beschlagnahmte
Küchenausrüstung gegen die Verpflichtung, ein Jahr lang nicht in der BRD zu
kochen, zurückzugeben, was von ihnen abgelehnt wurde. Widerstand und Repression
Die Zahl der Menschen, die sich an den Demonstrationen und Aktionen in Philippsburg
beteiligt hat, war nach über 2 Jahren Transportestopp erfreulich hoch, insbesondere
wenn angesichts dessen, dass es sich hier nicht um einen innerdeutschen Transport
gehandelt hat. Es waren eher mehr Leute da, als beim 95er Castor von Philippsburg
nach Gorleben! Es war klar, das viele ihre Kräfte geschont haben und daheim
blieben, als klar wurde, dass der Castor nicht sofort fährt. Damit haben sich
die Hoffnungen der Atommafia zerschlagen, von einem grenznahen AKW aus die CASTOR-Transporte
ohne Widerstand wiederaufnehmen zu können! Deutlich gescheitert ist auch ein
zentrales Projekt von Rot/Grün, nämlich der Versuch, durch ihren sogenannten
Konsens mit den Energie-Versorgungs-Unternehmen den Widerstand gegen die Atomanlagen
zu erledigen und der Stromwirtschaft weitere störungsfreie Jahrzehnte profitabler
Atomstromerzeugung zu sichern. Auf das dreiste Unterfangen, dies auch noch als
Atomausstieg zu verkaufen, ist nun wirklich niemand hereingefallen. Verschärft
hat sich eindeutig die Repression gegen unsere Strukturen. Beim Castor nach
Ahaus räumten die Bullen bis auf eins alle Camps. Für Baden-Württemberg hatte
der Landespolizeidirektor Heeger bereits im Winter angekündigt, dass es gar
keine Camps geben werde. Die praktische Umsetzung haben wir jetzt erlebt, als
die Bullen nirgendwo das Aufstellen auch nur von Campingzelten tolerierten und
Leuten ihr 2-Personen Kochgerät beschlagnahmten und uns zwangen, unter demütigenden
Verhältnissen unter freiem Himmel auf Marktplätzen zu übernachten. Diese Angriffe
auf die schlichtesten Grundlagen des überleben ging für sie aber politisch massiv
nach hinten los, da sie uns breite, praktische Solidarisierung aus der Bevölkerung
einbrachte. Trotzdem werden die Angriffe auf unsere Infrastruktur beim nächsten
Versuch, einen Castor fahren zu lassen, sicher nicht zurückgehen. Eher ist eine
Ausweitung und Perfektionierung zu befürchten. Aber mit einer entsprechenden
Vorbereitung wird sich auch damit umgehen lassen! Und wir werden uns vorbereiten
... Es kann jederzeit wieder losgehen! Zur Weigerung, der französischen Regierung
den Castor ins Land zu lassen, hat eine Klage von AnwohnerInnen der WAA La Hague
geführt, die auf die Einhaltung eines Gesetzes drängen, das den Verbleib von
ausländischem Atommüll über die zur Wiederaufarbeitung notwendige Zeit hinaus
verbietet. Zur Zeit scheint die französische Regierung zunächst sehen zu wollen,
daß ein Sixpack mit Glaskokillen von La Hague nach Gorleben gebracht wird. Dies
ist wegen der z.Z. in Reparatur befindlichen Jeetzelbrücke bei Seerau jedoch
frühestens im März 2001 möglich... Wie entspannt die jetzige Situation auch
gerade sein mag, auf dem Gelände des AKW Philippsburg steht jetzt ein fertigbeladener
Waggon mit hochradioaktivem Müll herum, der jederzeit abfahrbereit ist, sobald
die französische Regierung ihr ok gibt. Das bedeutet, daß nach der französischen
Zustimmung zum Transport nur noch eine sehr kurze Vorlaufzeit bis zur Abfahrt
des Castortransports notwendig ist! Deshalb: Beobachtet die Presse, tragt Euch
in die existierenden Alarmlisten ein und fragt gegebenenfalls beim Infotelefon
(0175/7112894) nach oder schaut ins Internet . Nicht nur Philippsburg - auch
Biblis und Stade! Ende September wurden nicht nur die 2 Behälter von Philippsburg,
sondern auch noch 5 Behälter von Stade, sowie ein Behälter von Biblis aus genehmigt.
Bereits kurz nach dem Philippsburger Transport ist hier mit weiteren zu rechnen.
Auch diese Transporte nach Frankreich werden selbstverständlich nicht ohne Widerstand
über die Bühne gehen. In Stade sind Widerstandsaktionen gegen die Abfahrt geplant,
Infos: 040/3909222,
www.nadir.org/castor.
Am Sonntag vor dem geplanten Transporttermin wird eine Auftaktkundgebung stattfinden.
Aber auch die Transportstrecke ist Widerstandsgebiet! Die Anti-AKW-Gruppen aus
dem süddeutschen Raum mobilisieren an die Transportstrecke in die Koblenzer
Gegend. Nähere Infos unter 06151/712365. Aktionskonzept Biblis Bereits jetzt
finden jeden dritten Sonntag Spaziergänge am AKW statt. Am dritten Samstag vor
dem Transporttermin wird es einen Schienenaktionstag geben. Am ersten Samstag
vor dem Transport werden wir mit einer Auftaktdemo beginnen und vor Ort bleiben,
bis der Transport abgesagt ist. Dann ist ein Hüttendorf geplant. Das Aktionskonzept
wird eine Blockade enthalten, aber so offen sein, dass für viele, verschiedene
Aktionsformen Platz sein wird. Infos: 06151/712365,
www.hessenbaden.de,
Kontakt@HessenBaden.de